Hintergrundinformationen zu der Projektgruppe

Das Projekt "Ganztagsschule"


Bildung im Projekt Zukunft 2020: Aktive Ganztagsschule für die Bildung von morgen

Wer Zukunft nachhaltig gestalten will, muss auf Bildung setzen. Für die SPD-Bundestagsfraktion bildet daher eine bildungspolitische Offensive einen zentralen Baustein für ein Regierungsprogramm, das Antworten auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit geben will. Von Bildung sind nicht nur jede Bürgerin und jeder Bürger im Laufe ihres Lebens immer wieder betroffen, sei es als Lernende oder Lehrende oder deren Angehörige. Darüber hinaus entscheidet heute die Bildungsbiografie mehr denn je über die Lebensperspektiven jedes Einzelnen und über Chancen auf die aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Weil man das heute weiß, steht Bildung im Mittelpunkt der individuellen Lebensplanung. Und damit auch die Erwartungen, Sorgen und praktischen Erfahrungen im und mit dem Bildungssystem.

Hier liegen auch die Gründe dafür, dass Bildungsfragen in Bund, Ländern und Kommunen ein politischer Dauerbrenner sind. Der Staat muss in einer sich wandelnden Welt sein Versprechen immer wieder neu einlösen, allen Menschen unabhängig von ihrem Wohnort und entsprechend ihrer Neigungen und Bedürfnisse gleiche Bildungschancen in einem leistungsfähigen und modernen Bildungssystem zu sichern. In unserem Gemeinwesen sind dafür vor allem die Länder und Kommunen zuständig. Damit Entscheidungen so nah wie möglich an dem Lebens- und Bildungsalltag der Menschen fallen, müssen dort die wesentlichen Antworten gefunden werden. Wer glaubt, dass etwa der Bund automatisch eine bessere Schulpolitik oder eine ausreichende Kita-Betreuung hinbekommt, täuscht sich, weil die Verhältnisse und Rahmenbedingungen vor Ort viel zu unterschiedlich sind und oft selbst zwischen Nachbargemeinden unvergleichbar sind. Heute kommt es vielmehr darauf an, dass alle Ebenen sinnvoll miteinander zusammenarbeiten und gemeinsam für die Bürgerinnen und Bürger gute, d.h. an die lokalen Bedürfnisse angepasste, Lösungen schaffen.

Warum soll der Bund Bildung machen?

Dass der Bund im Bildungswesen eine wichtige Schrittmacherfunktion leisten kann, hat er oft bewiesen. Mit dem Hochschulpakt 2020 und der Exzellenzinitiative unterstützt er die Hochschulen bei der Bewältigung des enormen Studierendenansturms und in der Spitzenforschung. Mit dem Kita-Ausbauprogramm hilft er den Ländern und Kommunen, für die immer wichtiger werdende Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein angemessenes und qualitatives Betreuungs- und Bildungsangebot für Kinder unter drei Jahren bereitstellen zu können. Vor allem konnte der Bund aber mit seinem Ganztagsschulprogramm 2004 bis 2010 einen schulpolitischen Durchbruch befördern. Heute stehen gute, ganztägige Schulangebote wie selbstverständlich ganz oben auf der Pro-Liste, wenn es um Merkmale für gute Schulen geht.

Warum ein neues Ganztagsschulprogramm?

Die SPD-Bundestagsfraktion möchte an dem ersten Ausbauprogramm für Ganztagsschulen anknüpfen, nachdem bisher vor allem die Hochschulpolitik im Fokus stand. Sie lässt sich dabei von zwei Überzeugungen leiten:

Erstens steht die Schule für viele Menschen weiterhin im Mittelpunkt der individuellen Bildungsbiografien. Neben der Familie prägt kein zweiter sozialer Ort die jungen Menschen stärker und nachhaltiger und stellt derart viele Zukunftsweichen als die Schule.

Zweitens ist die gute Schule von morgen eine aktive Ganztagsschule. Ganztagsschulen schaffen Raum und Zeit, damit hervorragend qualifiziertes Fachpersonal allen Kindern und Jugendlichen hilft, ihre Stärken und Begabungen, ihre Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft zu entwickeln, zu erproben und zu entfalten. Mit guten Konzepten können sie zu aktiven gesellschaftlichen Orten entwickelt werden, die attraktive Freizeitangebote mit lebendigen Beziehungen zum lokalen Umfeld vereinen und den Eltern die Verlässlichkeit bieten, die sie zur selbstbestimmten Lebensführung benötigen.

Ein wichtiger Schlüssel, um eine gute Zukunft für Deutschland zu gestalten, ist heute in gute Ganztagsschulen zu investieren.

Was ist das Ziel des Projekts D20 Ganztagsschule?

Das Projekt D20 Ganztagsschule der SPD-Bundestagsfraktion ist eines von sieben Teilprojekten des „Projekt Zukunft“ und hat zum Ziel, ein Konzept zum weiteren quantitativen und vor allem qualitativen Ausbau ganztägiger Schulangebote bis 2020 zu erarbeiten. Ziel ist es, bis 2020 ein bedarfsdeckendes Angebot an Ganztagesplätzen und qualitativen ganztägigen Betreuungs- und Bildungsangeboten unabhängig vom Wohnort und von der Schulform anbieten zu können. Wir wollen darauf ab 2020 einen Rechtsanspruch geben. Anders als im ersten Ganztagsprogramm soll der qualitative Ausbau diesmal von Anfang an ein integraler Bestandteil des Programms sein. Es soll als Teil des Regierungsprogramms der SPD auf die Übernahme der Regierungsverantwortung spätestens zu der Bundestagswahl 2013 vorbereiten. Das Gesamtprogramm „Projekt Zukunft“ soll im Herbst 2012 vorliegen. Gegenwärtig befinden sich die Projekte in der Arbeitsphase, so dass Input noch aufgegriffen, diskutiert und auch berücksichtigt werden kann.

Warum steht die Qualitätsfrage im Fokus?

Das erste Ausbauprogramm hat sich auf die Ausweitung des ganztägigen Angebots konzentriert und dieses Ziel trotz anfänglicher ideologischer Widerstände auch eindrucksvoll erreicht, wie der Schlussbericht zum ersten Ganztagsprogramm zeigt. Zwar setzte der Ausbau entsprechende konzeptionelle Grundlagen und qualitative Überlegungen voraus, doch in der Praxis dominierte auch aufgrund des Nachholbedarfs die zügige Ausweitung der Ganztagesplätze. Vor allem wären auch die 4 Mrd. Euro des Bundes unzureichend und die Länder ebenfalls überfordert gewesen, den Ausbau durchgängig an höchste qualitative Bildungs- und Betreuungsstandards mit dem entsprechenden Fachpersonal zu binden. Das brachte dem ersten Programm auch schnell die etwa unfaire Kritik ein, es investiere nur in „Beton statt in Köpfe“ oder sei ein „Suppenküchen-Programm“. Richtig ist, dass Ausbau und Qualität nicht getrennt von einander betrachtet werden dürfen. Ohne die Voraussetzungen für ganztägige Angebote geschaffen zu haben, ist eine Diskussion der Inhalte und Konzepte müßig. Qualitative Bildungs- und Betreuungskonzepte stellen auch besondere Anforderungen an Räume, Personal und Projektmittel.

Dennoch ist unstrittig, dass sich die Vorteile ganztägiger Schulkonzepte nur realisieren lassen, wenn die Qualität der Angebote stimmt. Gute Ganztagskonzepte dürfen sich nicht in Betreuung erschöpfen, aber auch nicht einfach die zusätzlich Zeit mit noch mehr Lernstoff füllen. Qualität bedeutet ein ausgewogenes Gesamtkonzept zu fördern, in dem pädagogische, sozialpsychologische, aber auch soziale und außerschulische Aspekte sinnvoll miteinander verbunden werden. In den Ländern sind daher zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht worden oder befinden sich in der Planung, die die Qualität der Bildungs- und Betreuungsangebote verbessern wollen.

Hieran will die SPD-Bundestagsfraktion mit dem Projekt D20 Ganztagsschulen anknüpfen. Neben der nach wie vor unverzichtbaren Förderung des weiteren Ausbaus sollen für die qualitative Förderung erstmals erhebliche Ressourcen für die Qualitätsausbau und –sicherung an Ganztagsschulen zur Verfügung gestellt werden. Allen muss klar sein, dass die Finanzierung der hieraus entstehenden Konzepte, Projekte und nicht zuletzt des entsprechenden Fachpersonals nachhaltig ausgestaltet sein muss, denn anders als bei Bauinvestitionen fallen diese Kosten dauerhaft an.

Was meint „Qualität“ von Ganztagsschulen?

Der Schwerpunkt auf die Förderung guter, eben qualitativer Ganztagsschulen ist eine große Herausforderung. Nicht nur jeder und jede Betroffene versteht unter „guten“ Ganztagsangeboten etwas anderes, ebenso würden unterschiedliche Bildungsakteure den Begriff „Bildungsqualität“ höchst unterschiedlich füllen und nutzen. Es kann daher hierbei weder ein allgemeingültiges Konzept geben, noch ist sicher, dass eine Lösung an Schule A in gleicher Weise an Schule B funktioniert. Die SPD-Bundestagsfraktion geht aber davon aus, dass dennoch einerseits Mindeststandards für gute Ganztagsschulen bestimmbar sind, die eine gehaltvollere Diskussion erlauben als allein die Frage, an wie vielen Tagen in der Woche wie viele Schüler an Nachmittagsaktivitäten teilnehmen. Andererseits sind die Bedürfnisse und Gegebenheiten vor Ort in der Regel so unterschiedlich, dass vielfältige, sinnvolle Lösungswege notwendig bleiben. Um aber die Qualität von Ganztagsangeboten sinnvoll fördern zu können, müssen Vorstellungen entwickelt werden, wie sinnvolle, flexible und realistische Qualitätskonzepte aussehen könnten oder sollten und aus welchen Bausteinen sie zusammengesetzt sind. Das Projekt D 20 Ganztagschule möchte im Dialog mit den Betroffenen, den Beteiligten und allen Interessierten diese Fragen ausloten, um dann effektive Förderkonzepte daran zielgenaue ausrichten zu können.

Weitere Informationen zum "Projekt Zukunft - Deutschland 2020" finden Sie hier.

Das aktuelle Faltblatt zu den sieben Projekten finden Sie hier: "Unser Projekt heißt Zukunft" (PDF).

Informationen zur Arbeit der Projektgruppe finden Sie auf der Homepage der SPD-Bundestagsfraktion.